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Fantasy Worlds

1.Kapitel: Der Fremde

Der Regen prasselte unaufhörlich auf den völlig durchnässten Jarek. Seit Tagen war er schon unterwegs. Er wusste, dass er eigentlich noch viel weiter musste, aber lange würden ihn seine Beine nicht mehr tragen.
Jarek war auf der Flucht. Lange Zeit konnte er in Ruhe leben, dann aber hatten ihn seine Verfolger aufgespürt, mal wieder. Das Ganze ging schon seit ein paar Jahren so. Jarek zog von Dorf zu Dorf um überall für wenige Monate zu leben, bevor es ihn weiter zog.
Während er durch den dichten Wald lief und verzweifelt eine Stelle suchte, an der er vor dem Regen geschützt sein würde, ging ihm wieder die alte Geschichte durch den Kopf.
Einst war er der Sohn des Königs von Valdur gewesen, einem mächtigen Reich der Menschen, doch dann wurde seine Familie von dem königlichen Berater Kalid verraten und ermordet, er war der einzige Überlebende und befand sich seitdem auf der Flucht. Obwohl Jarek seine Heimat schon lange hinter sich gelassen hatte wurde er selbst hier noch verfolgt, was in Anbetracht des Kopfgeldes, das auf ihn ausgesetzt war auch nicht verwunderlich war.
Der Wald schien in der Dunkelheit immer dichter zu werden, was trotzdem nicht vor dem unaufhörlichen Regen schützte. Vielleicht würden bald irgendwo Lichter eines Dorfes auftauchen, aber konnte er sich leisten dort Halt zu machen? Immerhin hatte er jetzt ein paar Tage Vorsprung vor seinen Verfolgern und diese würden ihn vermutlich in einer ganz anderen Richtung suchen. Es gab hier draußen nicht viele Kopfgeldjäger, die großen Städte, wo sie meistens gebraucht wurden waren weit weg von hier und von den einfachen Leuten, die hier lebten würde ihn niemand erkennen.
Während er noch darüber nachdachte stolperte er plötzlich und schlug hart mit dem Kopf auf. Ohne noch einen klaren Gedanken fassen zu können wurde ihm schwarz vor Augen.

Jarek ahnte nicht, dass sich einen knappen Kilometer von ihm entfernt ein Dorf befand, welches er in wenigen Minuten hätte erreichen können. Als die letzte Regenwolke sich verzog und der Morgen graute, machte sich der junge Aldrin auf den Weg in den Wald um dort zu jagen. Besser gesagt, er versuchte zu jagen, denn Aldrin war ein blutiger Anfänger, der es kaum fertig brachte seinen Bogen richtig zu spannen. Er hatte noch nie etwas erlegt, aber er war sich sicher, dass jeden Tag seine Stunde kommen würde und er mit seiner Beute auf den Schultern ins Dorf zurückkehren würde.
Aldrin stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war im Krieg gegen die Orks gefallen, als er noch ein Kind war und seine Mutter hatte er nie kennen gelernt, er hatte keine Ahnung, was mit ihr geschehen ist und niemand konnte oder wollte ihm etwas davon sagen. Jetzt lebte er zusammen mit seiner großen Schwester in der kleinen Siedlung Grondein, welche in den Ruinen der gleichnamigen Stadt errichtet war.
Marianne, seine Schwester sorgte für ihn, sie ackerte Tag und Nacht um ihm und seinem jüngeren Bruder Jan etwas zu Essen auf den Tisch zu bringen. Aldrin gefiel das nicht, er wollte, als ältester Mann im Haus für seine Familie sorgen, was aber leichter gesagt als getan war.
Aldrin nahm sich einen der selbst geschnitzten Pfeile aus dem Köcher und suchte die geeignete Stelle um sich auf die Lauer zu legen, als er hinter ein paar Büschen etwas liegen sah, das nicht zum Wald gehörte. Er ging ein paar Schritte darauf zu und erkannte, dass dort ein Mann lag. Vielleicht war es ein Räuber oder nur einer der Betrunkenen aus der Kneipe, der gestern nicht mehr recht wusste, wo es überhaupt nach Hause ging. Die Gedanken sprudelten durch Aldrins Kopf. Was sollte er machen? Ihn hier liegen lassen würde vielleicht die beste Möglichkeit sein, aber vielleicht brauchte er Hilfe. Dann sah Aldrin, dass der Bewusstlose am Kopf verletzt war und auch am restlichen Körper von kleinen Wunden übersäht war. Den konnte er hier auf keinen Fall liegen lassen. Also entschloss Aldrin den Fremden erstmal mitzunehmen, aber das war ein ausgewachsener, kräftiger Mann. Den konnte er auf keinen Fall alleine bis zum Dorf tragen. Bevor er noch lange darüber nachdenken konnte regte sich der am Boden liegende und murmelte ein paar unverständliche Worte. Aldrin half dem schwer mitgenommenen Mann auf die Beine und stütze ihn so gut er konnte. „Wo bin ich?“ fragte er Fremde, aber das war alles, was er hervorbrachte. Den ganzen Weg taumelte er in einer Art Halbschlaf, bis er schließlich vor Aldrins Hütte wieder zusammenbrach.

Aldrins Schwester, Marianne war etwa in Jareks Alter. Mit 14, ein Jahr nachdem Aldrin geboren wurde, hatte sie ihre Mutter verloren. Drei Jahre später zog ihr Vater in den Krieg und kehrte nie wieder zurück. Manchmal hoffte sie ihn wieder zu sehen, vielleicht war er noch irgendwo da draußen, vielleicht war er in Gefangenschaft geraten oder kämpfte immer noch für die Allianz der Menschen, sofern es diese überhaupt noch gab. Hin und wieder erschien er ihr im Traum und machte ihr Mut weiter zu kämpfen, egal wie hart die Zeiten auch sein mochten. Ja, die Zeiten waren sehr hart. Es war kaum möglich in dieser Einöde als Frau eine Familie zu versorgen und trotzdem schaffte sie es irgendwie. Sie baute in einem kleinen Garten Gemüse an, ging unten am Fluss fischen und arbeitete Abends als Kellnerin im örtlichen Gasthof. Einzig und allein der Gedanke ihren beiden kleinen Brüdern etwas ein halbwegs ordentliches Leben zu bereiten trieb sie voran.
An diesem Morgen sah Marianne zwei gestalten den Hügel zu ihrer Hütte, etwas außerhalb des Dorfes, hoch torkeln. Einer der beiden war ihr Bruder, der andere war ein Mann, den sie niemals vorher gesehen hatte. Er war schätzungsweise etwa in ihrem alter, hatte einen Dreitagebart und sah irgendwie geheimnisvoll aus. Der Fremde wurde von Aldrin gestützt und schaffte es kaum einen Fuß vor den anderen zu setzten.
Als die beiden an der Hütte ankamen fragte Marianne „Wer zum Teufel ist das denn?“
„Denn habe ich draußen im Wald, nicht weit vom Dorf aufgesammelt.“ antwortete ihr Bruder „Ich glaube er braucht Hilfe, gut sieht er jedenfalls nicht aus. Kannst du irgendwas für ihn tun?“
„Du musst verrückt sein.“ Sagte Marianne „Du kannst doch nicht irgendwelche Leute mit nach Hause bringen. Meinst du ich kann für noch einen mehr sorgen? Schon gar nicht für so einen, guck ihn dir doch an.“
„Er ist verletzt, so konnte ich ihn doch nicht da liegen lassen.“, bevor Aldrin den Satz beendet hatte sackte der Fremde mit einem leisen Stöhnen wieder bewusstlos zusammen.
„Also gut, es geht wohl nicht anders.“, sagte Marianne „Bring ihn rein, ich werd mal nach ihm sehen.“

Marianne legte ihren unbekannten Besucher an einen warmen Platz, dicht neben dem Ofen, dann versorgte sie seinen Wunden.
„Ich würde zu gern wissen wer du bist.“, flüsterte sie dem Schlafenden zu „Vielleicht bist du ein harmloser Kerl, der sich im Wald verlaufen hat, vielleicht bist du aber auch ein entflohener Mörder und gefährlich. Auf jeden Fall bin ich neugierig geworden, du solltest dich mit dem Wiederaufwachen etwas beeilen.“
Doch das lies auf sich warten, denn die nächsten beiden Tage regte sich der Fremde kein bisschen und Marianne fragte sich, ob er überhaupt noch leben würde, denn selbst sein Atem war so schwach, dass sie sich dicht über ihn beugen musste um ihn zu hören, dabei betrachtete sie seinen athletischen Körper, der jetzt bis auf die Unterhose ausgezogen war. Er war anders als der der meisten. Obwohl es in dieser Siedlung eigentlich immer etwas zu tun gab waren die meisten Männer fett und versoffen. So einen wie diesen hier gab es hier nicht, zumindest nicht in diesem Alter. Ja, der Mann atmete, Marianne konzentrierte sich auf das Geräusch und beobachtete, wie sich sein Brustkorb hob und senkte. Minuten verbrachte sie so bei ihm, bis plötzlich Aldrin neben ihr stand. Marianne erschreckte sich, tat dann verlegen so, als ob sie sich die Wunden des Fremden ansehen würde.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass sich unweit vom Dorf eine viel größere Gefahr als ein schlafender Fremder zusammenbraute. Dort lagerte die Lendar, eine der berüchtigtsten Räuberbanden der Welt. Viele hielte sie nur für einen Mythos um kleine Kinder zu erschrecken, aber es gab sie wirklich. Es waren die Piraten der Wälder, bestehend aus Mördern und Gesetzlosen, wo immer sie hinkamen brachten sie Tod und Zerstörung mit sich. Zu ihnen gehörten Hunderte und sie waren gut organisiert, manche sagten sogar besser als jede königliche Streitmacht.
Normalerweise überfielen sie Reisende im Wald, manchmal aber auch ganze Regimenter von Soldaten und wenn sie sich zusammenzogen brannten sie ganze Städte und Siedlungen nieder und in Grondein hatten sie ein ideales Ziel gefunden, vor allem weil sie etwas suchten, das tief unter den Gemäuern der Ruinen der Stadt lag, die sich dort einst erhob.

An diesem Abend lag Marianne noch lange wach. Sie dachte die ganze Zeit über den Fremden nach. Woher er wohl kam und was er hier wollte. Vielleicht war es ein Fehler ihn aufzunehmen, nicht nur vielleicht, sie war sich ziemlich sicher, dass es ein Fehler war.
Schließlich schlief sie ein und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Plötzlich wachte sie auf, von draußen waren laute Stimmen und ohrenbetäubender Lärm zu hören. Sie fuhr hoch und lief zum Eingang der Hütte.
Das ganze Dorf war in Aufruhr, alle liefen wild durcheinander. Marianne sah die Straße hinunter und war geschockt, als sie erkannte, dass die hinteren Gebäude in Flammen standen.
„Das Dorf wird angegriffen!“ rief jemand, dem die bloße Panik in der Stimme lag.
Marianne wollte zurück in die Hütte und ihre Brüder hohlen, da wurde sie gepackt und über den Boden geschleift. Sie zappelte und versuchte aufzustehen, da wurde ihr ein schmerzhafter Tritt in die Rippen verpasst. Vor ihr stand ein bis an die Zähne bewaffneter Kerl und sah nicht grade freundlich aus. Er wollte sie gerade wieder mitreißen, als hinter ihm das Gesicht des Fremden auftauchte. Bevor der Angreifer etwas bemerkte wurde ihm von hinten die Kehle aufgeschnitten und er fiel zu Boden.
Marianne hatte noch nicht begriffen, was passiert war, da traf sie ein Schlag auf den Hinterkopf und sie verlor das Bewusstsein.
Als sie wieder aufwachte war sie alleine.



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